Boßelverein Koldenbüttel

von 1900

Tanzordner

 

In den Anfängen des Boßelvereines wurden unsere Bälle von Tanzordnern geleitet. Damals kostete ein Tanz 1 Mark, welche vorher zu entrichten war. In den Protokollen ist außerdem vermerkt, "dass wenn der Vorstand das Fest vorzeitig verlässt, die Tanzordner die Hoheit über das Fest erlangen und berechtigt sind, Unruhestörer auch gewaltsam zu entfernen!"

Die Wette

 

In der Zeitung "Eiderstedter und Stapelholmer Wochenblatt" vom 14. Februar 1899 steht geschrieben:

"Ein Landmann in Behmhusen wettete, beim Boßeln in 10 Würfen 140 Ruthen zu werfen, er warf jedoch nur 139 Ruthen, was schon eine gute Leistung ist."

Um diese Leistung richtig einschätzen zu können, muss man wissen, dass eine Ruthe in Dithmarschen 4,739m waren. Das bedeutet, dass der Landmann im Schnitt 65m werfen musste, um dieses Ergebnis zu erreichen!

Wir finden auch immer wieder Zeitungsanzeigen, in welchen Großbauern Knechte suchten. Es war aber gerade in Eiderstedt meistens der Zusatz zu finden, "er muß ein guter Boßler sein".

Die schriftliche Entschuldigung

 

Wie pflichtbewusst in den vergangenen Jahren unser Fahnenträger Hans Alwin sein Ehrenamt nahm, kann man daran erkennen, dass er sich beim Vorstand schriftlich! abmeldete, wenn er krankheits- oder beruflich bedingt fehlte. Soviel Pflichtbewusstsein ist schon vorbildhaft und typisch für unseren Hans Alwin.

Das legendäre Unentschieden

 

Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an das Jahr 1992. Dort haben wir gegen Husum tatsächlich unentschieden geboßelt. Beide Kugeln lagen so dicht auf, dass man es optisch nicht unterscheiden konnte. Da es schon spät wurde, konnte auch kein Maßband geholt werden. Deshalb einigten sich die Schiedsrichter auf ein Unentschieden. Das wurde nachher bei Manni noch lange diskutiert. Seitdem haben wir immer eine Rolle Tau im Kofferraum.

Die zurückgegebene goldene Kugel

 

Im Jahre 1902 hat Koldenbüttel gegen Friedrichstadt einen Kampf durchgeführt und diesen mit einem Kiekut verloren.

Über diesem Kampf kam es zum Streit, da bei Friedrichstadt 2 Husumer mitgeworfen hatten.

Deshalb wurde der Gegner offiziell aufgefordert, die goldene Kugel zurückzugeben, was dann auch geschah.

Im Protokollbuch ist noch extra vermerkt: "der Gegner zeigte sich während des Kampfes überhaupt sehr unerträglich!"

Das war zu dieser Zeit offenbar üblich, denn mir liegen mehrere solcher Verträge vor, die über Seiten und Paragraphen regeln, was in bestimmten Fällen getan werden muss und was der Verlierer dem Gewinner zahlen musste.

Es wurden regelrechte Wettkampfverträge vorher ausgefüllt.

 

Boßeln rund um Eiderstedt

 

Im Jahre 1989 kam von Jan Mertens die Idee, dass wir einmal rund um unsere Heimat Eiderstedt boßeln sollten. Dies hat der Boßelverein Koldenbüttel dann auch Pfingsten 1989 als erster und einziger Verein getan. Als jüngster Boßler warf Tobias Bensel in Ülvesbüll am Deich den ersten Wurf. Dann ging es 3 Tage rund um unsere schöne Halbinsel. Die 82 km wurden in insgesamt 1.812 Wurf bewältigt, was eine Durchschnittsweite von 45m pro Werfer ergab. Es wurden Gruppen eingeteilt, wer wann boßeln sollte. Die zurückkehrenden Werfer haben dann bei Manni und Ellen auf einer Karte immer ein kleines Fähnchen an der Stelle eingesteckt, wo sie zuletzt geboßelt hatten. So wussten die nächsten Teams immer, wo sie ungefähr suchen mussten. Von Sturm, Regen und Hagel bis zum besten Sonnenschein hatte das Wetter wirklich alles zu bieten. Trotzdem war die Stimmung hervorragend und alle waren dabei.

In Katingsiel wurde gegrillt und übernachtet. Durch Tönning wurde morgens um 06:00 Uhr ein Straßenboßeln veranstaltet. Anders konnte diese Strecke nicht bewältigt werden. Den letzten Wurf hat dann Peter Thiesen als 1. Vorsitzender vorgenommen.

Insgesamt gingen 20 Boßeln verloren. Leider blieb uns eine Eintragung ins Guinessbuch der Rekorde versagt. Trotzdem war es eine klasse Leistung aller Beteiligten.

 

Der vergessene Boßler

 

Zum Hauptverbandsfest 1985 in Meldorf reiste der Koldebüttler Boßelverein mit einem Bus an. Die Schwierigkeit war nur, dass an dem Vortag bei Manni und Ellen ein Faschingsball war. So stiegen morgens in den Bus Zombies, Punker und andere Gespenster ein. An Haarfarben waren von grün über rot bis blau alles vorhanden. Auf dem HV Fest boßelten wir gegen den Mielebund und holten uns mit 7 Schott und 17 Metern eine unserer höchsten Niederlagen ein. Bei jedem gefallenen Schott merkte Werner Witt nur an: "mment jüm, dat is schööön?", da alle eine gewisse Fröhlichkeit und Gleichgültigkeit an den Tag legten. Leider verpasste unser "Maskottchen" Adolf Johannsen den Anschluss.

Natürlich bemerkte auch keiner im Bus, dass er fehlte. So musste Fritz Christiansen nochmals nach Meldorf fahren, um ihn dort einzusammeln.

Kampf gegen Tönning

 

Koldenbüttel machte 1989 einen Kampf gegen Tönning. Über die gesamte Zeit waren die Tönninger überlegen und führten bis zur Nummer drittletzt mit einem Schott und großem Kiekut. Dann kam Fiete Clausen an die Reihe und schaffte es, dass die Kugel genau auf die gepflasterte Fläche des Heckloches am Kaltenhörner Deich prallte. Die Kugel bekam soviel Schwung mit, dass Tönning plötzlich hinten lag. Es war ein 65m Wurf und zusätzlich rollte die Kugel noch einmal über 100m! Somit gewannen die Koldenbüttler zum Erstaunen aller Tönninger noch mit 47m diesen Kampf.

Abends war in Tönning Boßelball und Stefan Bahr und unser Fiete mussten hin, um die goldenen Kugel vom Vorjahr abzugeben. Das Hallo war natürlich groß, als Fiete dort auftauchte. Der Abend wurde feucht-fröhlich und es ging erst um "halb" nach Hause.

 

Es gab in Tönning zwei Spezialgetränke:

1. Papagei = 2 Teile Escorial und 1 Teil Pernod

2. Happy Happy = 50% Pernod und 50% Jägermeister

Man erzählt sich, dass Stefan bis zum Verlust der Muttersprache gefeiert und sich später "den ganzen Abend noch einmal durch den Kopf gehen ließ".

Das verlorene Schott

 

Wir hatten 1992 einen Feldkampf gegen Ülvesbüll auf unserer Hausbahn bei Held Wulf. Bis zum Schluss führten wir mit 2 Schott und einem Kiekut. Dann warf einer der letzten Boßler die Kugel im 90° Winkel auf die benachbarte Pflugfenne. Jetzt mussten wir ein Schott herausziehen. Nur war unser Schott nich mehr da, denn Hermann Johannsen war nach Hause gegangen. Somit verloren wir dieses Schott und mussten das zweite Schott herausziehen. Wir kamen damit gerade wieder in die Bahn zurück. Unsere Nummer letzt Helmut Domeyer schaffte es dann, dass wir noch mit 8m diesen Kampf gewannen.

Die Mülltonne

 

Vor einiger Zeit wollten zwei Boßler unseren Kameraden Willi Martens abholen. Da Willi nicht aufmachte, versuchten die beiden über die Mülltonnen auf den Balkon von Willi zu steigen. Leider rutschte bei diesem Versuch eine der Mülltonnen weg und unser Boßelkamerad rutschte breitbeinig auf den Maschendrahtzaun. Wie es sich aber für einen Koldenbüttler Boßler gehört, wurde trotz starker Schmerzen weitergefeiert. Erst als er es morgens um 06:00 Uhr in der Disco vor Schmerzen nicht mehr aushalten konnte, ließ er sich ins Krankenhaus fahren. Dort konnte aber auf Grund seiner Verfassung keine Narkose mehr gegeben werden. Aber auch hier zeigte sich unser Boßelkamerad wie ein Mann, trotz Operation an seinem "kleinen Freund". Kein Wunder, denn nach 4 Pötten merkt man sowieso nichts mehr. Zu seinem Leidwesen konnte er seiner Lielingsbeschäftigung nicht nachgehen, da sich laut eigener Aussage einige Zeit nichts mehr abspielte.

Anekdoten der letzten 100 Jahre

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